Lungenkrebs Früherkennung: Warum die Untersuchung nur die halbe Antwort ist.
Sie bekommen einen Befund. Aber niemand sagt Ihnen, was er bedeutet.
Sie haben den Gedanken schon ein paarmal gehabt. Vielleicht beim Lesen einer Schlagzeile, vielleicht nach einem Husten, der ein bisschen zu lang geblieben ist. Vielleicht auch einfach so, ohne konkreten Anlass.
Ich sollte mich vielleicht mal untersuchen lassen.
Und dann haben Sie es nicht gemacht. Nicht, weil Sie sich bewusst dagegen entschieden haben, sondern weil der Gedanke keinen nächsten Schritt hatte. Kein klares Wohin, kein konkretes Wann. Und weil es an dem Tag nicht dringend genug erschien.
So vergehen Monate. Manchmal Jahre.
Inzwischen hat der Gedanke einen konkreten Anknüpfungspunkt erhalten. Seit April 2026 gibt es in Deutschland ein strukturiertes Screeningprogramm für Lungenkrebs mittels Niedrigdosis CT-Untersuchung der Lunge. Die Kosten für diese Maßnahme werden von den Krankenkassen übernommen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Jährlich rund 57.000 Neuerkrankungen an Lungenkrebs machen deutlich, dass hier medizinischer Handlungsbedarf besteht.
Aber worüber in der gesamten Berichterstattung kaum jemand spricht, ist das, was nach der eigentlichen Untersuchung passiert. Denn das CT ist der einfache Teil. Der schwierige Teil beginnt, wenn der Befund da ist und Sie verstehen wollen, was er für Sie bedeutet.
Dieser Beitrag erklärt Ihnen, wie das Screening abläuft, für wen es gedacht ist und warum die Einordnung des Ergebnisses mindestens so wichtig ist wie die Untersuchung selbst.
Für wen ist das Screening gedacht?
Das Screening richtet sich an Menschen, deren Risiko für Lungenkrebs statistisch erhöht ist. Das betrifft vor allem aktuelle und ehemalige Raucher ab einem bestimmten Alter und mit einer relevanten Rauchdauer.
Sie gehören wahrscheinlich zur Zielgruppe, wenn Sie
- zwischen 50 und 75 Jahre alt sind,
- mindestens 25 Jahre geraucht haben,
- die Menge an gerauchten Zigaretten über das gesamte Leben hinweg mindestens 15 Packungsjahre beträgt und
- Sie aktuell rauchen oder vor weniger als 10 Jahren aufgehört haben.
Was sind Packungsjahre?
Packungsjahre beschreiben, wie viel Sie insgesamt in Ihrem Leben geraucht haben. Die Rechnung ist einfach: die Anzahl der Jahre, in denen Sie geraucht haben, multipliziert mit der Anzahl der Packungen, die Sie im Durchschnitt pro Tag geraucht haben. Eine Packung entspricht 20 Zigaretten.
Beispiel: Wer 30 Jahre lang 10 Zigaretten, also eine halbe Packung, am Tag geraucht hat kommt auf 15 Packungsjahre.
Sie müssen das nicht exakt wissen, eine grobe Einschätzung genügt. In einem ärztlichen Gespräch kann das noch genauer nachgerechnet werden.
Um sich vor einer möglichen CT-Untersuchung beraten zu lassen, müssen Sie nicht alle Kriterien zweifelsfrei erfüllen. Wenn Sie unsicher sind, klären wir das gemeinsam.
So läuft das Screening ab
Das Verfahren hat vier Schritte. Die ersten drei sind schnell erklärt. Der vierte ist der Grund, warum wir diesen Beitrag geschrieben haben.
Schritt 1: Beratung und Entscheidung
Am Anfang steht ein Beratungsgespräch. Dort klären wir, ob Sie die Kriterien erfüllen, und sprechen offen über Nutzen und mögliche Nachteile. Danach entscheiden Sie in Ruhe, ob Sie teilnehmen möchten.
Schritt 2: Die CT Untersuchung
Das Niedrigdosis-CT wird in einer radiologischen Praxis durchgeführt. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei. Sie liegen auf einer Liege, atmen kurz ein, halten die Luft an, und die Aufnahme ist gemacht.
Schritt 3: Der Befund
Sie erhalten einen Befundbericht. Darin steht, ob alles unauffällig ist oder ob eine Kontrolle, beziehungsweise weitere Abklärung, empfohlen wird.
Bis hierhin funktioniert das System gut.
Schritt 4: Was danach oft fehlt
Viele Patientinnen und Patienten gehen davon aus, dass mit dem Befund alles erledigt ist. In der Realität beginnt an genau dieser Stelle häufig die eigentliche Unsicherheit.
Sie halten ein Dokument in der Hand, das in medizinischer Fachsprache beschreibt, was in Ihrer Lunge gesehen wurde. Vielleicht steht dort, dass alles unauffällig ist. Dann ist es einfach. Aber vielleicht steht dort auch etwas, das Sie nicht einordnen können. Ein Rundherd. Eine Verdichtung. “Kontrolle in drei Monaten empfohlen”.
Sie sitzen zu Hause, lesen denselben Satz zum dritten Mal, recherchieren einzelne Begriffe und finden für jeden davon sowohl harmlose als auch bedrohliche Erklärungen. Aber niemand sagt Ihnen, welche davon auf Sie zutreffen
In den bisherigen Screeningprogrammen zeigen die Erfahrungen, dass etwa jeder zehnte Teilnehmer einen kontrollbedürftigen Befund erhält. Bei den meisten stellt sich dieser als harmlos heraus. Aber das wissen Sie in dem Moment nicht. Und genau in diesem Moment macht es einen Unterschied, ob Sie den Bericht allein lesen oder ob jemandennt, , der sich damit ausk ihn mit Ihnen durchgeht.
Falls Sie bereits einen Befund haben und ihn einordnen lassen möchten: [Hier finden Sie unseren Beitrag dazu →]
Wie wir Sie dabei begleiten
Wir führen das CT nicht selbst durch, das übernimmt die Radiologie. Aber wir verantworten den Teil, der für viele der Wichtigste ist und der im regulären Ablauf oft zu kurz kommt.
Wir klären, ob Sie zur Zielgruppe gehören, und erläutern Ihnen vorab, was Sie erwartet. Nach der Untersuchung besprechen wir den Befund so, dass Sie ihn wirklich verstehen, und leiten daraus einen klaren nächsten Schritt ab.
Wenn alles unauffällig ist, wissen Sie Bescheid und können aufatmen. Wenn etwas beobachtet werden sollte, haben Sie einen Plan und jemanden, der den Verlauf mit Ihnen im Blick behält. Und wenn weitere Schritte nötig sind, gehen Sie diese nicht allein.
Wir schauen dabei auch auf andere Erkrankungen, die bei Rauchern und ehemaligen Rauchern häufig auftreten, zum Beispiel COPD. Und wenn Sie aktuell noch rauchen und mit dem Gedanken spielen aufzuhören, unterstützen wir Sie gerne dabei.
Am Ende sollen Sie Klarheit über Ihre Situation und darüber, was als nächstes kommt, haben.
Was Sie über Vor- und Nachteile wissen sollten
Bevor Sie sich entscheiden, gehört auch das zur ehrlichen Aufklärung.
Der Nutzen des Screenings ist durch große internationale Studien belegt. Die Sterblichkeit an Lungenkrebs lässt sich in der Zielgruppe um 20 bis 24 Prozent senken, wenn Tumore früh erkannt und behandelt werden, bevor sie Beschwerden verursachen. Ohne Screening werden drei Viertel aller Lungenkrebsfälle erst im fortgeschrittenen Stadium, in dem eine Heilung meistens nicht mehr möglich ist, diagnostiziert.
Gleichzeitig kommt es vor, dass im CT Auffälligkeiten auftauchen, die sich bei der Kontrolle als harmlos herausstellen. Und manche Menschen erleben durch einen zunächst unklaren Befund eine spürbare innere Belastung, vor allem dann, wenn sie damit allein gelassen werden.
Auch hier gilt, was für den gesamten Prozess gilt: Ein auffälliger Befund, den jemand in Ruhe und im Kontext Ihrer persönlichen Situation mit Ihnen bespricht, ist etwas anderes als derselbe Befund auf einem Blatt Papier, das Sie allein zu Hause lesen.
Häufige Fragen
Keine Krebserkrankung ist mit so viel Scham behaftet wie Lungenkrebs. Das wissen wir. Sie müssen sich bei uns für nichts rechtfertigen. Rauchen war für mehrere Generationen gesellschaftlich normalisiert und die Risiken wurden heruntergespielt. Es ist eine Sucht, von der man zudem nicht einfach loskommt. Für uns zählt, was medizinisch sinnvoll ist – nicht, was Sie hätten anders machen sollen.
Dann sind Sie bei uns richtig. Wir besprechen den Befund mit Ihnen, ordnen ihn ein und planen gemeinsam die nächsten Schritte.
Das Niedrigdosis CT hat eine Strahlenbelastung von etwa 1,7 mSv. Die natürliche Hintergrundstrahlung in Deutschland liegt bei rund 2,1 mSv pro Jahr, ein normales CT der Lunge bei etwa 5,1 mSv. Das Niedrigdosis CT liegt also unterhalb dessen, was Ihr Körper im Alltag über ein Jahr hinweg ohnehin aufnimmt.
Ja, seit dem 1. April 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Versicherte, die die Kriterien erfüllen. Der Zugang läuft über eine Überweisung vom Haus- oder Facharzt. Da viele Arztpraxen die dafür erforderliche Fortbildung noch absolvieren müssen, ist das Angebot derzeit noch nicht flächendeckend verfügbar. Als Privatpatient oder Selbstzahler können Sie unabhängig davon jederzeit bei uns einen Termin zur Beratung und Befundbesprechung vereinbaren.
Für einen Termin in unserer Privatpraxis ist keine Überweisung nötig.
Ja, selbstverständlich. Sie können jederzeit als Selbstzahler einen Termin vereinbaren.
Termin vereinbaren
Sie können Ihren Termin online oder telefonisch vereinbaren. Kurzfristige Termine sind in vielen Fällen möglich. Wenn Sie vorher lieber kurz sprechen möchten, rufen Sie uns an oder nutzen Sie gerne unseren Rückrufservice.
Medizinischer Hintergrund
Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Jedes Jahr erkranken rund 57.000 Menschen daran, etwa 45.000 sterben an den Folgen.
Bei Männern ist Lungenkrebs die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Der stärkste Risikofaktor ist langjähriges Rauchen. Bei Männern gehen schätzungsweise neun von zehn, bei Frauen mindestens sechs von zehn Erkrankungen auf aktives Rauchen zurück.
Man schätzt, dass in Deutschland rund 2 Millionen Menschen die Kriterien für das Screening erfüllen. Große Studien haben gezeigt, dass die Früherkennung mittels Niedrigdosis CT die Lungenkrebssterblichkeit in der Risikogruppe um 20 bis 24 Prozent senken kann.
Ohne Screening werden drei Viertel aller Lungenkrebsfälle erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, in dem eine Heilung in den meisten Fällen nicht mehr möglich ist. Bei Brustkrebs und Darmkrebs gehört strukturierte Früherkennung seit Jahren zum Standard. Für Lungenkrebs gibt es ein vergleichbares Angebot in Deutschland erst seit April 2026.
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